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Kategorie: 01 | Blog

Markenstrategische Gedanken

Was passiert, wenn man über lange Zeit eine Marke aufbaut und dann plötzlich auf ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal verzichtet?
Der Markt ist wie ein großes Spiel, die Börse ein Casino.

Ich bin gespannt, wie sich die Entscheidung seitens Xing auswirken wird, neuerdings auf die bisher als Markenmerkmal kommunizierte Werbefreiheit zu verzichten. Eine in meinen Augen ungeschickte strategische Entscheidung. Die Wertschätzung von Werbefreiheit dürfte in den nächsten Jahren deutlich zulegen, dringt Werbung doch immer tiefer in alle Bereiche des Lebens ein. So hat Adobe kürzlich zusammen mit Yahoo entschieden, PDF Dokumente als kontextsensitive Werbeplattform anzubieten.

Um Geschäftskonzepte zu verdeutlichen, bediene ich mich gerne bildlicher Vergleiche.
Betrachten wir Xings Konzept als Edelpizzeria. Jeder darf eintreten und als Willkommensgruß erhält man einen Hefeteigboden ohne Belag (eingeschränkte Funktionsmöglichkeiten). Es gibt zwei Bereiche in diesem Restaurant. Wir erblicken schön gedeckte ausladende Tische, an denen noch reichlich Platz ist (ca. 200.000 Nutzer) und viel Gedränge auf den billigen Plätzen (ca. 4 Millionen Nutzer).
Bestellt man nun zum Preis von einigen Euronen zusätzlich zum Hefeteigboden den Belag nach “Art des Hauses”, darf man sich an die “besseren” Tische setzen. Bisher hat dieses Konzept gut funktioniert und in der Edelpizzeria ist richtig was los.
Doch offensichtlich waren die Betreiber nicht mehr ganz zufrieden mit ihrem Restaurant. Es war sicher der Koch oder der Gärtner, der auf die Idee verfiel, als zusätzliche Einnahmequelle auf den kostenlosen Willkommensgruß “Hefeteigboden” bunte, blinkende und zappelnde Werbeschildchen draufzupappen. Natürlich aus eßbarem Papier und mit Lebensmittelfarben versehen, denn die Gäste auf den billigen Plätzen sollen das gefälligst mitverspeisen. Eine Möglichkeit, die Schildchen vom Hefeteigboden abzukratzen, besteht nur, wenn man den Belag nach Art des Hauses ordert.
Doch damit sind die Ideen des pfiffigen Kochs oder Gärtners noch nicht zu Ende. Vermutlich ist er schon damit beschäftigt, zahlreiche Werbeplakate einzurahmen, damit diese im Innenraum der Gaststätte angebracht und bewundert werden können. An der Außenfassade sind bereits einige aufgehängt. Das Ambiente wirkt nun eher durchschnittlich statt edel, das hat der Koch wohl nicht so recht bedacht?

Ob die zahlreichen Besucher der Gaststätte mit der neuen “Mode” zufrieden sind?
Der pfiffige Koch meint es natürlich gut. Mit dem Geld aus den Mehreinnahmen durch die Plakate möchte er den Bewohnern der Edelplätze zusätzlich Kapern, Zwiebeln und Oliven auf dem Belag bieten. Auch die hinteren Plätze sollen etwas gemütlicher werden, so der Plan.

Verlassen wir nun die Edelpizzeria für einen Moment und gehen hinaus auf die Straße.
Oh!
Dort um die Ecke hat eine neue Pizzeria aufgemacht! Mycorners.com. Sie sieht sogar fast genauso aus wie unsere Pizzeria von oben, bevor diese eine Renovierung und einen neuen Anstrich durchführen ließ (OpenBC). Schlau, schlau.
Ein Blick durchs Fenster des neuen Restaurants zeigt schnell, daß es dort nur eine Sorte von Plätzen gibt. Auf den Tischen der Besucher throhnt nicht nur ein Hefeteigboden, sondern eine Pizza mit Belag (Funktionsumfang inklusive Kontakmanagement). Verwundert studiere ich das Geschäftsmodell - wie verdient die neue Pizzeria ihr Geld, wenn sie jedem Besucher kostenlos gleich eine Pizza mit Belag serviert? Nicht mal Werbeplakate sind aufgehängt?
Aha.
Die Verdienstquelle der neuen Gaststätte ist eine Art Speisekarte, die erweiterte Funktionalitäten bietet. Gegen Bezahlung natürlich, das ist ja auch in Ordnung. Allerdings funktioniert das Ganze so, daß von Zeit zu Zeit ein Kellner durch das Restaurant spaziert und sämtliche Pizzas mit einem neuen Belag verziert. Wünscht man diesen nicht, muß man dem widersprechen. So zumindest verstehe ich die AGB, ich hoffe, ich habe das korrekt realisiert.

Hm. Und was mache ich, wenn ich in Urlaub bin und gar nicht merke, wie sich Zutaten auf meiner Pizza stapeln? Lieber wäre es mir, ich könnte aktiv Oliven, Kapern, Thunfisch und doppelt Käse bestellen und bezahlen.

Was wohl passiert, wenn die Gäste der Edelpizzeria feststellen, daß im neuen Restaurant mehr auf den billigen Plätzen geboten wird bzw. es dort nur eine Sorte Plätze samt Pizza mit Belag gibt? Und das ganz ohne Werbeaufpapper? Es besteht durchaus die Chance, daß die neue Location aufgrund der Gesetze von Angebot und Nachfrage schnell voller wird und viele Gäste das Lokal wechseln. Damit nicht genug, es kündigt sich bereits eine drittes Restaurant an (Facebook Deutschland). Es ist zwar nicht zugeschnitten auf deutsche Pizzaliebhaber und gediegenes Ambiente, aber wer weiß?

Wie sich die Gäste wohl in einem Jahr auf die Restaurants verteilt haben werden?
Ich werde mich vorerst in keines mehr begeben und gespannt die Entwicklungen beobachten.

Update 09.01.08: Ein interessanten Artikel über die marktstrategischen Veränderungen bei Xing fand ich heute in der FAZ.

Popularity: 61%

Alles wieder in Butter?

Gestern abend gab es auf den Wirbel hin eine Stellungnahme seitens Xing.
Premium Mitgliedern wird heute das Recht eingeräumt, mit Hilfe eines Buttons die Werbung auf ihren Profilen auszuschalten.
Der Button ist allerding per default auf Opt Out eingestellt. Die bunten Anzeigen bleiben somit standardmäßig eingeblendet, wenn man sie nicht aktiv ausschaltet.
Das Profil aller Basismitglieder wurde offiziell zur Werbefläche deklariert.

Schon vor einiger Zeit habe ich mich über eine neue, unangekündigte Funktion geärgert, die per default ebenfalls auf Opt Out steht.
“Neues aus meinem Netzwerk” fing sich schnell die Bezeichnung “Bewegungsmelder” ein.

Nein, diese Art von Geschäftspolitik behagt mir ganz und gar nicht.
Seit 2004, damals noch OpenBC, haben sich die Geschäftsbedingungen derart oft geändert, daß man inzwischen gezwungen ist, andauernd nachzusehen, ob die Einstellungen noch so sind, wie man sie haben möchte. Über die letzten zwei Änderungen wurde man nicht einmal mehr informiert. Weder zuvor noch mit ihrer Einführung.

Da sag ich doch: Danke für den Fisch!
Von der einen oder anderen liebgewordenen Gruppe verabschiede ich mich gerade.
Danach betätige ich den Delete Button, Xing wirds sicher überleben.

Ich vermutlich auch :)

Update: mehr zum Thema auf

einmal kurz um den Blog

Erklärerblog 

Netzzeitung

PR-Gau bei Xing

Robert Basic 

Staudigl Blog

Werbeblogger

Popularity: 74%

Werbung auf Xing - sensibles Marketing?

Ich logg mich ein und kanns kaum glauben,
was blinkt und zappelt da vor meinen Augen?

schön animiert, schön grell und bunt,
viel Klickibunti tut sich kund

ich denk, mich trifft beihnah der Schlag,
es wirklich fast nicht fassen mag,

auf meinem Xing Profil nun Billigwerber
ich mag das nicht, ich Spielverderber!

profil.gif

Die Wellen schlagen hoch.
Xing hat offenbar die eher ruhige Zeit zwischen den Jahren genutzt, um die bereits angekündigte Message: “Xing öffnet Plattform für Werbung” umgesetzt. Heisst es in der Ankündigung noch so gekonnt formuliert: “Zum geplanten Start werden zunächst ausgewählte Bereiche der Plattform für Werbung zur Verfügung stehen. Im Verlauf des kommenden Jahres wird das Volumen behutsam angepasst” - unter “behutsam” verstehe ich etwas anderes :)

Die Xing Startseiten und Profile sämtlicher Nutzern sind mit Werbung versehen. Eingeloggte Premium Mitglieder sehen diese allerdings nicht, nur Nicht Premium Mitglieder erblicken diese eingeloggt auf den Profilen der Basis- und Premium Mitglieder. So dauerte es ein Weilchen, bis die nichtsahnenden und nichtssehenden zahlenden Mitglieder feststellen durften, was vor sich geht.

Bei der willkürlich geschalteten Werbung kommt es zu solch fatalen Situationen, daß beispielsweise im Profil eines Deutsche Bank Bankers Werbung einer preisgünstigen Bank zu sehen ist. Nett auch Werbung von Online Reiseportalen auf der Profilseite von Touristikunternehmen…

Es bleibt zu hoffen, daß sich Xings Informationspolitik schleunigst an Standards moderner Kommunikation orientiert.

Update: mehr ist inzwischen bei Heise zu lesen.

Popularity: 71%

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