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Handgeschriebene Wunschzettel

gibt es sie noch?
Wunschzettel, per Hand geschrieben, die Stirn in nachdenkliche Falten gelegt, am Bleistift kauend?

Anlaß zum Sinnieren über Handschrift und Wunschzettel waren zwei Mails, die gestern in meinen Eingangsordner flatterten.
Absender: meine Söhne.
Alles fein säuberlich und ordentlich aufgelistet. Radieren muss man auch nicht mehr.
Eigentlich sehr praktisch. Und ja, ich gebe zu, ich habe meinen auch per Mail geschickt.

Aber ein bisschen schade ist das schon. Das mit dem Wunschzettel meine ich.
Von Hand Geschriebenes hat einen ganz besonderen Flair.
Der Geruch frischer Tinte, die samtige Oberfläche des Papiers, die glänzende Feder des Füllers, der Schwung der Handschrift - nein, da kann elektronische Post nicht mithalten.
Viel persönlicher als Getipptes ist es auch.
Wenn man es denn lesen kann …

Ich habe noch ein Rezeptbuch meiner Oma. Handgeschrieben in altdeutscher Schrift. Eine echte Kostbarkeit. Noch dazu sind die Plätzchenrezepte unschlagbar!
Hätte sie es in einer Textprogrammversion Anno 1900 getippt, wäre es vermutlich nicht mehr zu gebrauchen. Gut, daß sie es aufgeschrieben hat!

Woher kommt eigentlich der Weihnachts - Wunschzettelbrauch?
Ich machte mich interessiert auf die Suche.
Erwähnt wird er in der Literatur das erste Mal im Biedermeier des 19. Jahrhunderts. Kinder des gehobenen Bürgertums betrachteten ihre Eltern als Vermittler gegenüber dem Gabenbringer. Wobei es in Punkto Gabenbringer regionale Unterschiede gab: in Mittel- und Norddeutschland adressierten die Kinder den Wunschzettel an den Weihnachtsmann, in Süd- und Westdeutschland an das Christkind. Was vermutlich damit zusammenhängt, daß Luther die früher am Nikolaustag übliche Bescherung auf den Weihnachtstag verlegte. Die evangelische Kirche kennt ja keine Heiligenverehrung.

Um die Jahrhundertwende wurde der Wunschzettel dann auf vorgedruckte, kunstvoll dekorierte Karten mit farbig illustrierten Vorderseiten geschrieben.
Hier kann man ein Exemplar aus vergangenen Zeiten betrachten.

Herzig :)

Heutige Kinder können ihre Wunschzettel übrigens an Weihnachtspostämter senden.
Die heißen Himmelsstadt, Himmelpfort, Himmelsthür, Engelskirchen, Nikolausdorf usw.
Die Briefe werden beantwortet und mit einer Sondermarke versehen.

Eine nette Idee.
Der handgeschriebene Wunschzettel lebt also doch noch.

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